Europäisches Solidaritätskorps

"Es gibt viele junge und sozial denkende Menschen in Europa, die sich in die Gesellschaft einbringen und Solidarität zeigen wollen – und wir können für sie die Möglichkeiten schaffen, dies zu tun.“ – Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, 14. September 2016.

Am 7. Dezember gab die Europäischen Kommission vor zahlreichen Organisationen und vielen jungen Menschen den Startschuss für das Europäische Solidaritätskorps.

Hintergrund

Präsident Jean-Claude Juncker schlug in seiner Rede zur Lage der Union vom 14. September 2016 die Einrichtung eines Europäischen Solidaritätskorps vor: "Die Solidarität ist der Kitt, der unsere Union zusammenhält.", so Juncker. Die Korpsmitglieder fördern nicht nur den Grundwert der Solidarität, sondern können zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn anderen helfen, lernen und wertvolle Kompetenzen entwickeln und erlangen.

WAS IST DAS EUROPÄISCHE SOLIDARITÄTSKORPS?

Das Europäische Solidaritätskorps besteht aus zwei sich gegenseitig ergänzenden Teilen:

  • Die Freiwilligenprojekte bieten jungen Menschendie Möglichkeit, mittels einer Finanzhilfe eine zwei- bis zwölfmonatige Freiwilligentätigkeit in Vollzeit auszuüben.
  • Im Rahmen der Beschäftigungsprojekte erhalten junge Menschen einen Arbeits-, Praktikums-oder Ausbildungsplatz in Organisationen unterschiedlichster Ausrichtung, die für ihre Solidaritätsprojekte hoch motivierte und sozial eingestellte Mitarbeiter/-innen suchen.

Ziel des Europäischen Solidaritätskorps ist es, mehr jungen Menschen zwischen 17 und 30 Jahren die Möglichkeit zu bieten – sei es durch freiwilliges Engagement oder durcheine berufliche Tätigkeit –, an breit gefächerten Solidaritätsprojekten teilzunehmen und damit Herausforderungen in der gesamten Europäischen Union anzupacken.

WORUM GEHT ES?

Junge Menschen erhalten die Möglichkeit, an einem breiten Spektrum von Tätigkeiten und Projekten mitzuwirken. Mögliche Einsatzgebiete bzw. Tätigkeitsbereiche sind Bildungswesen, Gesundheitswesen, Integration in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, Unterstützung bei der Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Gütern, Bau von Unterkünften und Einrichtungen, Renovierung und Verwaltung, Aufnahme und Integration von Migranten und Flüchtlingen, Umweltschutz oder Prävention von Naturkatastrophen.

Von der Teilnahme profitieren nicht nur die jungen Menschen, sondern auch die nationalen und lokalen Behörden sowie die nichtstaatlichen Organisationen und Unternehmen, die Unterstützung bei der Bewältigung der unterschiedlichsten Herausforderungen und Krisen erhalten.

WIE KÖNNEN JUGENDLICHE SICH REGISTRIEREN?

Das Programm richtet sich an junge Menschen im Alter von 17 bis 30 Jahren. Die Registrierung erfolgt über europa.eu/solidarity-corps

Bei der Registrierung werden die wichtigsten Angaben abgefragt. Weitere Informationen werden zu einem späteren Zeitpunkt angefordert.

Bei der Registrierung kann angegeben werden, in welchen Ländern man gerne tätig wäre, ob ein Freiwilligen- oder ein Beschäftigungsprojekt gewünscht wird, an welchen Aktivitäten Interesse besteht und welche Erfahrungen und Fähigkeiten mitgebracht werden. Das Registrierungssystem steht in allen 24 Amtssprachen der EU zur Verfügung.

WAS BIETET DAS KORPS DEN FREIWILLIGEN?

Das Europäische Solidaritätskorps bietet jungen Menschen nicht nur die Möglichkeit, anderen zu helfen, sondern auch selbst etwas zu lernen, die eigenen Kompetenzen zu erweitern und Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.

Wer sich im Europäischen Solidaritätskorps in einem Freiwilligenprojekt engagiert, erhält in der Regel Kost und Logis, die Reisekosten, eine Versicherung und ein Taschengeld.

Wer im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps eine Ausbildung oder ein Praktikum absolviert, bekommt in der Regel die Reisekosten erstattet und erhält eine Unterhaltsbeihilfe.

Die Freiwilligen, die an einem Beschäftigungsprojekt im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps mitwirken, erhalten einen Arbeitsvertrag und einen Lohn im Einklang mit den örtlichen gesetzlichen und tariflichen Gegebenheiten.

Außerdem erhalten alle Teilnehmer eine detaillierte Bescheinigung über die Tätigkeiten, die sie im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps ausgeführt haben.

WELCHE VERBINDUNG GIBT ES ZWISCHEN DEM EFD UND DEM EUROPÄISCHEN SOLIDARITÄTSKORPS?

Der Europäische Freiwilligendienst ist das Instrument, mit dem der "freiwillige Zweig" des Europäischen Solidaritätskorps umgesetzt wird. Das nun von der EU-Kommission veröffentlichte Corrigendum zum Programmleitfaden Erasmus+, erläutert diese Verbindung.

Organisationen, die sich bereits beim Europäischen Freiwilligendienst angemeldet haben, sind im Prinzip automatisch akkreditiert.

(Für im EFD akkreditierte Organisation empfiehlt die EU-Kommission ausdrücklich, Freiwillige über die Datenbank des Europäischen Solidaritätskorps auszuwählen.) Von der ersten Antragsrunde 2017 an sind EFD-Projekte grundsätzlich Teil des Europäischen Solidaritätskorps.

Es wird keine separaten Antragsformulare für Freiwilligenprojekte innerhalb des Solidaritätskorps geben.

Lediglich Short-Term-Projekte (EFD-Projekte unter zwei Monaten) sowie Projekte mit Partnerländern fallen nicht unter das Solidaritätskorps. Sie können unverändert als EFD-Projekte beantragt werden. Zudem wurde eine Partnerschaft mit dem europäischen Umweltprogramm LIFE geschlossen, welches durch zusätzliche Mittel neue EFD-Einsatzstellen u.a. im Bereich Umwelt- und Naturschutz und in der Umweltbildung ermöglicht.

WIE KANN MEINE ORGANISATION TEILNEHMEN?

Organisationen, die sich bereits beim Europäischen Freiwilligendienst angemeldet haben, sind im Prinzip automatisch akkreditiert.

Interessierte Organisationen akkreditieren sich zunächst grundsätzlich für die Teilnahme am Europäischen Freiwilligendienst (EFD). Hier finden Sie alle notwendigen Dokumente.

Die Bandbreite der Organisationen, die sich am Europäischen Solidaritätskorps beteiligen können, ist groß: NGOs, Hilfs- und Umweltorganisationen, Jugendverbände und -einrichtungen, nicht formale Bildungseinrichtungen oder nationale und lokale Behörden.

Jede teilnehmende Organisation, egal ob groß oder klein, muss sich einer Charta verpflichten, in der die wichtigsten einzuhaltenden Grundsätze festgelegt sind. Diese Charta erklärt die Tätigkeiten, für die das Europäische Solidaritätskorps zuständig ist, und die Rekrutierung von Teilnehmer. Auch verpflichtet die Charta die Organisationen dazu, die Teilnahme an der Aktivität zu bescheinigen, sichere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu gewährleisten sowie angemessene Schulungen und Unterstützung zu bieten, damit die Teilnehmer des Europäischen Solidaritätskorps ihre Aufgaben adäquat erfüllen können.

Bei Beschäftigungsprojekten können sich die Organisationen und Unternehmen auch dafür entscheiden, eine zwischengeschaltete Stelle, z. B. eine öffentliche Arbeitsverwaltung, zu nutzen. Nach der Autorisierung im Einklang mit den jeweiligen EU-Finanzierungsprogrammen können die teilnehmenden Organisationen potenzielle Angestellte, Praktikantinnen und Praktikanten, Auszubildende und Freiwillige für ihre Solidaritätsaktivitäten suchen.

WANN IST DAS KORPS EINSATZFÄHIG?

Der Aufbau des Europäischen Solidaritätskorps erfolgt schrittweise. Am 7. Dezember 2016 wurde das Registrierungssystem für interessierte junge Menschen freigeschaltet. Die Registrierung der Jugendlichen erfolgt über europa.eu/solidarity-corps

Die Vermittlung von Mitgliedern und teilnehmenden Organisationen in Bezug auf die freien Plätze soll im Frühjahr 2017 beginnen, die ersten Einsätze sollen ab Juni 2017 laufen.

Ziel ist es, dass sich bis Ende 2020 dem Europäischen Solidaritätskorps 100 000 junge Europäer und Europäerinnen anschließen.